Stop-Motion im Deutschunterricht: Eine Heldenreise als Film

Jabberwocky [ˈdʒæbəˌwɒki] ist der Titel eines berühmten Unsinn-Gedichts von Lewis Carroll aus dem Buch Alice hinter den Spiegeln (1871), so die Wikipedia.  

Ein Unsinn-Gedicht? Warum sollte man damit irgendwen behelligen, vor allem Schüler und Schülerinnen, die in einem durch die Pandemie geprägten Schuljahr doch wahrlich besseres zu tun hätten?

Dass dies bloße Zeitverschwendung wäre, ist ein großer Trugschluss, denn auch wenn ein großer Teil der Wörter in Carolls Gedicht frei erfunden ist, so gelingt es doch gemeinsam einen Sinn zu finden, zwischen all den seltsamen Versen:

Twas brillig, and the slithy toves
Did gyre and gimble in the wabe;
All mimsy were the borogoves,
And the mome raths outgrabe.



Spätestens bei den folgenden Sätzen wird es älteren Schülern und Schülerinnen schnell klar: ein Monster ist in der Welt, die Existenz ist bedroht.  

Beware the Jabberwock, my son!
The jaws that bite, the claws that catch!



In der Unterstufe wird der Text durch die geniale Übersetzung von Christian Enzensberger greifbar. Genial ist diese Übersetzung, da es garnichtmal so einfach scheint, Nonsens zu übersetzen. Doch Enzensberger holt Leser_innen ab, der Sprachwitz des englischen Originals wird auch in der deutschen Version fühlbar.  

Der Heldenmut, der den namenlosen Helden losziehen lässt, den „Feind zu futzen ohne Saum“, die clevere List, sich an den „Dudelbaum zu lehnen“ und das übermächtige Monster von hinten/oben/unten anzugreifen, nötigt Respekt ab. Dass man ob eines solchen Mutes nur „wichernd“ nachhause „sprengen“ kann, erscheint zum Ende des Gedichts logisch.  

Ein Klassiker des Spiels mit Sprache und insofern enorm lehrreich, da sich nebenbei spielerisch Grammatik vermitteln lässt, denn dass „gekeimt, wichernd, verschnoff, aromer“ Adjektive sind, wird schnell klar, ebenso treten (erfundene) Verben und Nomen aus dem Dickicht vordergründigen Unfugs. Ebenso sinnvoll erscheint es, die Handlung interpretierend in ein neues Medium zu übertragen. Eine Bewusstmachung der Funktionen und Möglichkeiten der unterschiedlichen Medien, denen sich Ihre Kinder stets ausgesetzt sehen, muss in der Schule mitgedacht und wenn möglich mitgestaltet werden.  

Wer sich ein Bild machen möchte, wie die beiden Klassen 5b und 6a im Deutschunterricht mit Enzensbergers Gedicht Der Zipferlake umgegangen sind, darf sich gerne bei YouTube die Ergebnisse zweier Sequenzen anschauen, die an der Jakob-Stoll-Schule im Oktober und November 2020 realisiert worden sind.

Klasse 5 b

Klasse 6 a

Wer sich dem Original nähern möchte, der schaue zur Wikipedia, wer Enzensbergers deutsche Interpretation genießen möchte, der gehe auf folgenden Link: JV: Der Zipferlake

DED

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